EU-Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Gold - cc-by-nc from Ivan BoykoDie durch die Banken ausgelöste Wirtschaftskrise trifft die Armen am härtesten. Die Politik der EU reagiert auf die Krise ausschließlich mit Sparpolitik, welche die Verluste der Banken durch Steuergelder ausgleicht. Die Folge sind hohe Arbeitslosigkeit und häufig der Verlust der Wohnung durch Zwangsräumung in Südeuropa.

pirate pd-nc from David LanhamIst das System überhaupt relevant?

Unsere Politiker versuchen uns einzureden, dass unsere Banken systemrelevant sind und deswegen, koste es was es wolle, gerettet werden müssen. Dadurch werden Gewinne über die Banken privatisiert und fließen in Steueroasen ab, während die Verluste über die Steuergelder von der Allgemeinheit getragen werden. Wobei die Steuern nur vom Mittelstand und den Armen gezahlt werden, weil die Reichen Möglichkeiten haben sich über Abschreibungen und andere Tricks, vor der Steuer arm zu rechnen. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die zu einer immer höheren Verschuldung und damit Zinslast führt. Diese Zinslast wird auf die Produkte, die wir für den täglichen Bedarf brauchen draufgerechnet und somit von uns allen bezahlt. Dies kann nur bis zu einem gewissen Grad gutgehen. Wenn nämlich die Zinslast so groß wird, dass sich ein Mensch über normale Arbeit seinen täglichen Bedarf nicht mehr leisten kann, dann hat das System versagt. Diesen Punkt haben wir schon lange überschritten, denn vielfach arbeiten die Menschen inzwischen im Niedriglohnsektor und müssen vom Staat bezuschusst werden, um überhaupt überleben zu können. Die Allgemeinheit zahlt über die Steuern somit den Firmen ihre billigen Lohnsklaven und die Gewinne fließen in Steueroasen ab. Der Spielraum der Politik durch die hohen Schulden ist klein und die Sparpolitik trifft wiederum die Ärmsten am härtesten. Im Kapitalismus geht die Macht folglich nicht vom Volk sondern vom Kapital aus.

Freiheitsstatue - pd-nc von DenisWas würde das Grundeinkommen ändern?

Wenn in der Demokratie die Macht vom Volke ausgeht dann ist das Volk der Staat. Das Volk ist Ausgangspunk und Ziel der Politik. Nicht das Volk ist für den Staat da sondern der Staat für das Volk. Insofern wäre das bedingungslose Grundeinkommen nicht ein Geschenk des Staates sondern ein Vertrauensvorschuss des Volkes an sich selbst.
Wirtschaftlich würde es bedeuten mit dem Grundeinkommen im Rücken kann man sich viel leichter mit seiner Idee selbständig machen, selbst wenn man einige Jahre dafür aufwenden muss. Neue Produkte brauchen immer einige Zeit bis sie vom Markt angenommen werden.
Auf der anderen Seite haben die Konzerne motiviertere und demokratischere Mitarbeiter. Keiner muss mehr arbeiten also arbeiten nur noch diejenigen denen ihr Beruf Spaß macht und die diesen ausüben wollen. Falls aber ein Öl-Konzern sagt: „Wir machen hier eine Tiefseebohrung ohne Sicherheitsmaßnahmen!“, dann können die Mitarbeiter sagen: „Ohne uns!“. So können die Mitarbeiter Druck auf die Firmenführung ausüben, sich moralischer zu verhalten. Gefährliche oder sehr belastende Arbeit müsste viel besser bezahlt werden. Die bestbezahlte Arbeit wären nicht mehr Finanzdienstleister, die nur Werte vernichten sondern Pflegepersonal, Reinigungsfachkräfte und Müllentsorger. Dies würde zur Gerechtigkeit im Arbeitsmarkt beitragen.
Der Wettbewerb wird im Sinne des Arbeiters verschärft. Die Unternehmen können nicht mehr Arbeiter im Niedrieglohnsektor gegeneinander ausspielen, sondern müssen sich um Arbeitskräfte mit höheren Gehältern gegenüber der Konkurrenz erwehren. Unternehmen hingegen könnten ihre Fertigung ohne Probleme auf das Maximum automatisieren, da niemand befürchten muss dadurch Arbeitslos zu werden.
Das bedingungslose Grundeinkommen würde wahrscheinlich erstmals richtige Freiheit für den Menschen bedeuten, da sich Arbeit und Interessen ohne Zwang decken würden. Freiheit würde also nicht die Abwesenheit des Staates bedeuten sondern die Anerkennung, dass wir ohne die Gemeinschaft des Staates unsere Freiheit gar nicht ausüben können.
Damit müsste das bedingungslose Grundeinkommen jeder politischen Richtung genügen. Die Konservativen propagieren doch immer Aufstieg durch Bildung und alles soll Bestand haben. Mit einem Grundeinkommen kann man sich lange Bildung besorgen und dann einer Arbeit nachgehen und so zum Wohl der Gesellschaft beitragen.
Für den Sozialdemokraten sind die gesteigerten Rechte des Arbeitnehmers wichtig. Der Arbeiter kann sich ohne Zwang entscheiden wo er arbeiten möchte und ist ständig vor Arbeitslosigkeit abgesichert.
Den Liberalen ist der freie Markt wichtig. Der Markt könnte sich völlig frei und umreguliert entwickeln, solange das Grundeinkommen finanziert wird kann auf alle sonstigen Abgaben, Subventionen und Steuern verzichtet werden. Durch das Grundeinkommen und weil der Markt auf Arbeitskräfte angewiesen ist verhält er sich automatisch moralisch und nicht ausbeuterisch.
Den Linken ist Solidarität und das Recht auf Arbeit wichtig. Ihre Anhänger können sich in Genossenschaften zusammentun, wo den Arbeitern die Produktionsstätten gehören und in Arbeitsräten alles solidarisch entschieden wird.
Jede politische Richtung müsste damit glücklich werden vorausgesetzt sie ist letztendlich am Wohlergehen des Arbeiters interessiert.

tools - pd-nc from HarwenGeld fürs Nichtstun, dann arbeitet doch niemand mehr?

Merkwürdigerweise wird in Umfragen häufig angegeben, dass man selbst auch mit einem Grundeinkommen weiterarbeiten würde, dies aber nicht von Anderen erwartet. Die Jugend würde sich dann mit dem Grundeinkommen einrichten und ein Leben lang faulenzen. Zum einen ist dies genau eine Möglichkeit des Grundeinkommens und man muss sich dafür nicht einmal mehr rechtfertigen. Wir müssen uns vom Märchen der Vollbeschäftigung verabschieden und auch vom faulen nutzlosen Sozialschmarotzer. Jeder Mensch kann wertvolle Beiträge für die Gemeinschaft liefern aber in unserer jetzigen Gesellschaft ist dafür kein Raum. So wird die Kindererziehung der Eltern nicht bezahlt, es wird viel ehrenamtlich gearbeitet (mehr als Lohnarbeit) und Künstler werden häufig ungenügend oder gar nicht entlohnt.

In einem Experiment in Kanada kam heraus, dass die Menschen mit einem Grundeinkommen, nicht einfach aufhören zu arbeiten [1].

Euro von Ivan Boyko http://www.visualpharm.comWie soll das Grundeinkommen finanziert werden?

Ein Grundeinkommen von €1000 für jeden Bundesbürger wäre heute schon ohne Probleme möglich bestätigt sogar unser Finanzminister Herr Schäuble. In einem Interview über Griechenland macht Herr Schäuble folgende Aussage:

Wir dürfen den Grundgedanken von Hartz IV nicht aus den Augen verlieren: Die notwendigen Sozialleistungen dürfen die Aufnahme von Arbeit nicht unattraktiv machen. Mit anderen Worten: Das Lohnabstandsgebot muss gewahrt werden. Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro Sozialleistungen im Jahr aus. Das sind im Durchschnitt 12 500 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Da muss man schon die Frage stellen, ob wir die Effizienz unserer Sozialleistungen nicht verbessern können.

Durch das Grundeinkommen würden Rentenkassen entlastet werden sowie die Arbeits- und Sozialämter überflüssig was weiteres Einsparungspotential bedeutet. Da die so freiwerdenden Staatsbediensteten in den Genuss des Grundeinkommens kommen, dürften sie sich nicht gegen die Schließung ihrer Behörden wehren. Zumal sie sowieso einen hohen Krankenstand haben was auf große Unzufriedenheit bei der Arbeit hindeutet.

baustelleEU-Initiative für ein Grundeinkommen, was bewirkt die und warum sollte man die Petition mitzeichnen?

Leider interessieren sich die etablierten Parteien in Deutschland noch nicht für die Idee des Grundeinkommens. So hat eine erfolgreiche Petition für das Grundeinkommen nichts bewirkt [1] [2].

Jetzt gibt es eine europäische Initiative für das bedingungslose Grundeinkommen. Es werden 1 Million Unterschriften für die Petition benötigt, damit das Anliegen im europäischen Parlament vorgetragen werden kann. Dort kann es zwar auch einfach ignoriert werden, eine erfolgreiche Petition könnte aber trotzdem etwas bewirken. Durch die Initiative wird die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens in Europa verbreitet. Gerade in den südlichen Ländern, die wegen der Krise dort eine hohe Arbeitslosigkeit haben könnte die Idee für neue Hoffnung sorgen. Je mehr Unterstützende die Idee findet um so wahrscheinlicher ist es, dass die Idee irgendwann umgesetzt werden muss. Die Idee der Freiheit und Demokratie hat sich auch jahrelang im verborgenen in den Köpfen der Menschen festgesetzt, bis sie die feudalen Herrschaftssysteme in Europa hinweggefegt hat.

Wer sich an der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens beteiligen möchte sollte die Petition unterzeichnen

schlechte Ideegute Idee (+37, 37 St.)
Loading...
drucken...

Tags: , , , , , , , , , , ,

2 Responses to “EU-Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen”

  1. Steffen Hannemann 2013-04-6 at 09:44 #

    Fast schon ein BGE in Japan, nach über 20 Jahren Null Zins Politik, will man die Ursachen der ewigen Krise, die den Nikkei von 39.000 im Jahr 1990 auf heute 12.000 abstürzen ließ,(zum Vergleich der DAX ist von 1990 von 1000 auf heute fast 8000 gestiegen) durch Beendigung der knappen Geldpolitik der Notenbank beenden. Leider wird das Geld nicht gerecht an alle verteilt! Ja, wie Prof. G.W. Werner immer wieder betont: Geld entsteht durch Güter und Dienstleistungen, verknappt man wie üblich durch die Notenbanken das Geld, hat es Nachfragekrise und somit wäre nur ein hohes BGE von 1500 Euro für ALLE der richtige Schritt aus den zyklischen Wirtschaftskrisen, die oft wie in Japan zu Dauerkrisen werden. Japan war 1990 der Primus der Wirtschaft, alle hatten vor Japan Angst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lockere-geldpolitik-japanische-notenbank-dreht-geldschleusen-auf-a-892416.html

  2. Katrin 2015-01-8 at 13:43 #

    Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen ist schon ein ganz wichtiger Schritt und wie jede neue Veränderung würde auch diese seine Vor- und Nachteile mit sich bringen. Hier muss sich einfach noch einiges mehr tun, damit es auch in die Realität umgesetzt wird und auch funktionieren würde.

Leave a Reply

Subscribe without commenting